Lundi, 17 Octobre 2011 19:22
Dienstag, 11. Oktober Coming-out-Tag. In vielen Schweizer Städten verteilen Aktivistinnen und Aktivisten Flyer, die Lesben und Schwule aufrufen, sich doch auch öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen. Denn alle, die offen lesbisch oder schwul leben, haben die Erfahrung gemacht: Nach dem Coming-out lebt sich's viel befreiter.
Es ist nicht nur ein Thema für die jungen Frauen und Männer, die merken, dass das eigene Geschlecht sie viel mehr interessiert als das andere, es ist auch ein Thema für ältere Lesben und Schwule. Viele leben während Jahren ihre eigentliche sexuelle Identität im Verborgenen. Viele sind verheiratet, haben Kinder, eine Stelle, die sie nicht verlieren möchten. Und ja, auch als ungeoutete Lesbe oder als ungeouteter Schwuler lässt es sich Leben. Die zwei Identitäten stehen nebeneinander und die Aufgabe der heterosexuellen Fassade wird als viel belastender vermutet, als die Beibehaltung.
Umgekehrt erzählen aber jene, die sich geoutet haben, sei es als Jugendlicher, sei es als ältere Person, wie befreiend dieses Ereignis war. Endlich ehrlich zu dem stehen, was man (frau) ist, setzt neue Kräfte frei. Natürlich, nicht alles ist von heute auf morgen gut: Die Eltern können nicht immer gut damit umgehen, dass die Tochter lesbisch ist. Und für Ehefrauen kann es ein Schock sein, hören zu müssen, dass der Mann an ihrer Seite eigentlich schwul ist. Viele sehen sich dann als Verliererinnen der Selbstfindung ihres Mannes. Allerdings zeigt sich auch immer wieder, dass viele Frauen zumindest eine Ahnung hatten von der andern Seite ihres Mannes. Und wenn ein Paar ältere Kinder hat, so sind diese natürlich auch nicht blind. Ein Bekannter, inzwischen weit über 50 Jahre alt und geschieden, erzählte, wie er allen Mut zusammen nahm und seine Söhne zum Nachtessen einlud. Dort eröffnete er ihnen, dass er schwul sei. Die Reaktion seiner erwachsenen Kinder haute ihn dann um: Lachend meinten sie: "Papa, aber das wissen wir doch seit mindestens einem Dutzend Jahren".






